Ratgeber Winter

2178 x gelesen

colorfish.ch - Zelten in der kalten Jahreszeit

Unberührte Schneelandschaften, absolute Stille und ein funkelnder Sternenhimmel – Zelten im Winter ist absolut faszinierend. Viel braucht es dazu auch im Winter nicht, doch die Ausrüstung unterscheidet sich ein wenig von sommerlichen Ausflügen in die Berge.

Isomatte

Eine warme Isomatte ist fast noch wichtiger als der Schlafsack, denn vom Boden kommt am meisten Kälte. Die zusammengedrückten Daunen des Schlafsackes haben unter 

dem Körper keine wärmende Wirkung mehr. Nach einigen kalten Nächten habe ich von der Kombination EExpes DownMat & Exped Evazote (Extraisolation am Boden) zu einer Exped DownMat UL Winter gewechselt. Diese Wintermatte ist dicker, aber für ihre Wär

meleistung ist sie leicht und hat ein kleines Packmass. Mit dieser Matte hat sich die Kälte vom Boden her stark reduziert.

Licht

Zum Kochen und Rumhantieren benutze ich eine Stirnlampe. Die Erleuchtung des Zeltes für die Nachtfotos erfolgte lange Zeit mit einer zweiten Stirnlampe. Doch diese wird neu durch ein aufblasbares Buci Solar Light ersetzt. Die kleinen Lämpchen leuchten warm oder kalt mit 10 LEDs in drei Stufen mit bis zu 65 Lumen. Zudem lassen sie sich in der Fotografie ziemlich kreativ einsetzen.

Kochen

Ich koche mit Gas, da ich es doch ab und zu sehr schätze, im Zelt zu kochen (natürlich mit entsprechender Vorsicht). Im Sommer benutze ich normale, kleine Gaskartuschen (80% Butan, Siedepunkt 0,5 Grad Celsius). Die Brennleistung der normalen Kartuschen nimmt bei kalten Temperaturen merklich ab, selbst wenn sie durch das Tragen nahe am Körper aufgewärmt sind.

Seit Mitte Winter benutze ich neu das spezielle Wintergas von Primus (Grossteil Isobutan, Siedepunkt –11,7 Grad Celsius). Die Kartuschen sind um einiges teurer, aber die Brennleistung ist um ein Vielfaches besser. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Zusätzlich optimieren könnte man das Kochsystem z. B. mit einem kompakten Windburner von MSR, aber im Moment benutze ich einen normalen kleinen Gasbrenner. Die Gaskartusche stelle ich auf einen Schneeschuh oder das Alu-Sitzkissen, damit die Kälte vom Boden reduziert wird. Die Kartuschen können schnell am Boden festfrieren.

Wasser / Schnee schmelzen

Im Winter ist die Wasserversorgung eigentlich kein Problem, es lässt sich überall Schnee schmelzen. Doch es braucht ziemlich viel Schnee und Energie, um sich eine Tasse Kaffee zu kochen.

Dabei aufgepasst: die Pfanne nicht zu Beginn mit Schnee vollstopfen. Dabei kann bei fehlendem Bodenkontakt das Metall durchbrennen. Zuerst eine kleine Schneemenge schmelzen, damit der Pfannenboden mit Wasser bedeckt ist, dann nach und nach Schnee dazugeben.

Essen und Abfall

Vor allem im Winter sollte man genügend und warm zu Abend essen. Ein hungriger Körper verschwendet in der Nacht unnötige Wärme. Um den Körper zusätzlich warm zu halten und den Flüssigkeitsverlust vom Hochlaufen zu reduzieren, trinke ich im Camp viel heissen Tee.

Kochabfall und Verpackungen nehme ich allesamt wieder mit ins Tal, dies gilt auch für gebrauchtes Klopapier. Von meinem Besuch zeugen nur die Spuren im Schnee. Sie lassen sich bis zum nächsten Schneefall nicht so einfach verwischen.

Kleidung

Schichten sind vor allem im Winter das A und O. Beim Hochsteigen wird einem meist sehr schnell sehr warm, doch mit zunehmender Höhe oder beim Ankommen im Camp wird es sehr schnell sehr kalt.

Ich beginne am Körper mit einer Schicht Merinowolle, beim Aufstieg ist dies dann oft die einzige Schicht. Darüber kommt bei Kälte eine leichte Daunenjacke oder eine leichte Primaloft-Jacke. Bei Wind oder schlechtem Wetter ziehe ich zusätzlich die Regenjacke darüber, diese ist wasser- und auch windabweisend.Als Hose benutze ich eine normale Trekkinghose, bei sehr kalten Temperaturen eine Hochtouren-Hose. An den Füssen trage ich normale hohe Wanderschuhe. Diese eignen sich auch gut zum Tragen in Schneeschuhen. Darüber kommen bei höherem Schnee Gamaschen.

Kleidung im Camp

Nach dem Aufstellen des Zeltes wechsle ich sämtliche Kleidung, oft wasche ich mich auch noch kurz mit kaltem Wasser. Das ist herrlich erfrischend, vor allem bei Wind!
Oberkörper: zwei Schichten Merinowolle, leichte Jacke plus zusätzlich eine dickere Daunenjacke.
Unterkörper: dicke Merinosocken, lange Merinounterhosen, Primaloft-Überziehhose, Regenhose. Zusätzlich ziehe ich mir die Gamaschen wieder über. Mit dieser Kombination kann ich stundenlang im Schnee rumrennen bzw. sitzen, ohne nass zu werden oder auszukühlen. Dazu kommen Mütze, Handschuhe und ein warmer Buff um den Hals.

Fortkommen

Solange es geht, zu Fuss in hohen Wanderschuhen, danach Schneeschuhe. Unbedingt Gamaschen überziehen, sonst kann es in den Schuhen sehr schnell nass werden, wenn man sich seine Spur in höherem Schnee suchen muss.

Dazu gehören Teleskop- oder zusammenklappbare Stöcke, obwohl ich die aus Gewichtsgründen oft nicht mitnehme.Ich bewege mich im Winter auf lawinensicheren Pfaden, daher gehört eine Lawinenausrüstung nicht zu meinem Gepäck.

Zu beachten sind im Winter die kurzen Tage. Es ist früh dunkel, ich schaue grundsätzlich, dass ich meinen Ort für die Nacht gegen 16 Uhr gefunden habe. Dafür darf man am Morgen getrost noch etwas länger liegen bleiben, denn die Sonne geht spät auf.

Das Schöne am Zelten im Winter

Die Platzwahl ist im Winter weitaus grösser und einfacher, Untergründe spielen keine so grosse Rolle. Das Zelt bleibt schön sauber und die sommerlichen blinden Passagiere wie Ohrgrübler oder Spinnen werden nicht mit nach Hause genommen.

Im Winter hat man den Berg grundsätzlich für sich alleine, der Schnee schluckt den Lärm und spendet gleichzeitig natürliche Helligkeit. Ich liebe dieses winterliche Licht. 

Winterliche Sternbilder wie der Orion lassen sich wunderschön beobachten, und auch wenn das Zentrum der Milchstrasse nicht sichtbar ist, ist auch diese zu bestaunen.

Im Winter sind die Tage kurz und die Nächte lang. Wer meint, dass ich mich abends alleine da draussen langweile, hat weit gefehlt. Es gibt für mich nichts Schöneres, als einfach da draussen in der Dunkelheit zu sitzen – mit einer heissen Tasse Kaffee in der Hand – und einfach zu sein, zu lauschen und zu sehen. Und natürlich fotografiere ich viel, das kann mich stundenlang beschäftigen und hält zusätzlich schön warm! 

Zum Schluss ein kleines Fazit zum Zelten im Winter

Eine Nacht im Zelt irgendwo da draussen kann ich zu jeder Jahreszeit sehr empfehlen. Denn der Winter hat seinen ganz besonderen Reiz. Ich liebe die Stille des Winters, das weiche Licht des Schnees, die Geräusche und das intensive Erleben der Natur in der Kälte. Wer die Kälte nicht scheut, kann im Winter wunderbare Nächte draussen verbringen und einmalige Momente erleben!