Ratgeber für die kalte Jahreszeit

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colorfish.ch - Zelten im Winter

Unberührte Schneelandschaften, absolute Stille und ein funkelnder Sternenhimmel – Zelten im Winter ist absolut faszinierend. Viel braucht es dazu auch im Winter nicht, doch die Ausrüstung unterscheidet sich ein wenig von sommerlichen Ausflügen in die Berge.

Zelten im Winter

Ich konzentriere mich auf die Wochenenden und freien Tage mit guter Wetterprognose. Jedoch muss man jederzeit mit Wetterüberraschungen rechnen, Prognosen können sich sehr schnell ändern. Im Idealfall sind die Nächte klar, damit man sich dem Betrachten der Sterne widmen kann. Daher sollte ein Wintercamp ein paar Kilometer entfernt von der nächsten Ortschaft errichtet werden, um der Lichtverschmutzung etwas auszuweichen. 

Zu beachten ist natürlich auch das Licht des Mondes. Vollmondnächte können im Winter mit der Reflexion des Mondlichtes im Schnee sehr hell werden. Das hat seinen besonderen Reiz, ist jedoch für die Nachtfotografie nicht so geeignet. Hierfür eignen sich dunkle Nächte rund um den Leermond.

Zelt

Im Winter sollte es ein 4-Jahreszeiten-Zelt sein. Ich benutze sowohl im Sommer als auch im Winter ein Hilleberg Soulo. Das freistehende 1-Personen-Zelt hat seine Standfestigkeit schon in heftigen Gewittern und Windstürmen gezeigt. Wie bei jedem 4-Jahreszeiten-Zelt reicht es bis zum Boden, im Winter sehr wichtig, damit bei viel Wind kein Schnee in das Zelt geweht wird.

Grundsätzlich ist ein 1-Personen-Zelt im Winter etwas eng, das gesamte Material braucht mehr Platz, und wenn man sich am Morgen aus einem dicken Schlafsack schält, berührt man bald jede einzelne Wand des Zeltes. Ein 2-Personen-Zelt ist im Winter für 1 Person sicher komfortabler. Da muss man den Kompromiss zwischen Gewicht und Komfort machen, obwohl gerade Tunnelzelte bei geringem Gewicht mehr Platz bieten.

Die Apsis des Soulos ist viel zu klein, um darin zu kochen, dafür nehme ich einen Windschutz für den Kocher mit oder koche notfalls im Zelt. Ebenfalls lässt sich bei diesem Zelt keine Bodenmulde zum gemütlichen Sitzen graben. Diese grabe ich mir einfach vor dem Eingang. Dies ist wirklich ein tolles Plus beim Winterzelten, denn so sitzt es sich viel bequemer! Als Sitzunterlage habe ich immer eine kleine Alumatte dabei. So sitzt es sich direkt auf dem Schnee ohne kalten Hintern.

Heringe

Die Befestigung des Zeltes am Boden hängt stark von den örtlichen Schneeverhältnissen ab. Es gibt spezielle Schneeheringe, die sind grösser (ca. 20 cm lang) und schwerer als normale Heringe, aber sehr zu empfehlen. Normale Heringe halten nur bei sehr festem Schnee. Alu-Heringe sind am Morgen oft festgefroren, und man braucht eine Weile, um sie aus dem Eis zu befreien. Eine Alternative sind die Schnee-Anker von SwissPiranha, diese sind aus Kunststoff. Persönlich kenne ich diese (noch) nicht, aber sie sollen sehr gut sein. Ebenfalls können Stöcke, Skier oder Schneeschuhe zum Abspannen der Leinen verwendet werden. Aus langjähriger Erfahrung spanne ich immer alle Leinen ab, egal ob Sommer oder Winter. Ein Sturm kann schnell aufziehen, da ist man froh, wenn das Zelt sicher steht. Sind sehr starke Winde zu erwarten, kann man eine Schneemauer als Windschutz bauen oder vor dem Aufstellen des Zeltes eine Grube für das Zelt graben. Dazu gehört eine Schaufel ins Gepäck.

Zeltaufbau im Schnee

Zunächst wird der ausgewählte Nachtplatz am besten mit Schneeschuhen oder Skiern und aufgesetztem Rucksack flach getreten, damit sich der Schnee verfestigt. Dies kann, je nach Schneebeschaffenheit, eine Weile dauern. Bei leichter Hanglage die Fläche begradigen. Dann das Zelt so aufstellen, dass der Eingang auf der windabgewandten Seite liegt. Zum Abspannen nimmt man die Heringe, die man quer eingräbt (20 cm tief), Stöcke, Skier oder Schneeschuhe – aber nicht die Schaufel (wenn man eine dabei hat), die bleibt in der Apsis, damit man sich nach starkem Schneefall wieder aus dem Zelt befreien kann.

Schlafsack

Die grösste Herausforderung im Winter sind die nächtlichen Temperaturen im Minusbereich. Frieren sollte man vermeiden, denn schlotternd schläft es sich schlecht und die Erholung fehlt. Das Zelt schützt vor Wind, aber die Temperaturen können auch im Zelt drinnen in den zweistelligen Minusbereich sinken.

Der Schlafsack sollte rein theoretisch einen Komfortbereich von –10 bis –15 Grad Celsius abdecken (Komfortbereich, nicht Extrembereich). Das mit diesem Komfortbereich ist aber eine sehr relative Sache. Ich bin das beste Beispiel dafür – oder ich habe mich mit den Jahren zum «Gfrörli» entwi-ckelt. Ich friere in einem guten Expeditionsschlafsack (Western Mountaineering Puma MF) mit einem Komfortbereich von –25 Grad Celsius für Damen schon bei wenigen Minusgraden.

Obwohl hier ebenfalls die Luftfeuchtigkeit erwähnt werden muss. Gerade bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann die Luft sehr feucht sein, was das Kälteempfinden stark beeinflusst. Ich friere in solchen Nächten oft stärker als bei tieferen Minusgraden mit trockener Luft.

Als optimale Lösung hat sich die Kombination von meinem Sommer- mit dem Herbstschlafsack erwiesen (Western Mountaineering Apache, Komfort –2 Grad Celsius / Cumulus Teneqa 850, Komfort –15 Grad Celsius). Im Schlafsack trage ich zwei Schichten Merinowolle am Oberkörper, dazu eine lange Merino-Unterhose, dicke Skisocken und eine Mütze.

Als Inlet benutze ich einen Reactor Extreme von Sea to Summit, der noch etwas mehr Wärme dazu gibt. Mit den Kleiderschichten wäre ein Inlet aus hygienischen Gründen nicht mehr nötig. Mit dieser Kombination schlafe ich warm und gemütlich, aber es dauert eine Weile, sich in diese Schlafsäcke zu mummeln. Ebenfalls ist die dicke Daunenjacke meist mit im Schlafsack. In ihr sämtliche Akkus, denn diese mögen Kälte nicht und entladen sich sehr schnell.

Ein guter Tipp ist auch die berühmte «Bettflasche». Vor dem Schlafengehen eine 1-Liter Nalgene-Flasche mit kochendem Wasser füllen und eine Socke darüber ziehen. Die heisse Flasche wird mit in den Schlafsack genommen und hält einige Stunden schön warm.

Auf mehrtägigen Touren kann ein zusätzlicher Vapor Barrier Liner (VBL) Sinn machen. Dieser hält die Feuchtigkeit, die vom Körper ausgeschieden wird, zurück, damit die Daunen von innen trocken bleiben. Einen solchen habe ich bis anhin ebenfalls noch nicht getestet.